January 28, 2026

Transparenz als Vertrauensfaktor

Author: Daniel Eberhard

Jahresabschlüsse nach IFRS sind mehr als reine Zahlenwerke

 

1. Einleitung

Zahlen schaffen Vertrauen, tun sie das wirklich?

Ich habe in 25 Jahren Berufserfahrung zahllose Abschlüsse nach IFRS gelesen, geprüft und insbesondere auch selbst geschrieben.

Multinationale Unternehmungen, börsennotiert oder privat gehalten, die ihre Jahresabschlüsse nach IFRS erstellen, sehen sich immer wieder und wie länger wie mehr mit Offenlegungspflichten konfrontiert, die kaum verständlich und manchmal noch schwieriger umsetzbar sind. Der Standardsetzer fühlt sich verpflichtet, für Transparenz und Vergleichbarkeit zu sorgen, weshalb er sich in regelmässigen Zeitabständen neue Vorschriften überlegt oder Standards «besser» macht. Auf der anderen Seite gilt in Unternehmen aber oftmals das Motto, weniger ist mehr, oder noch besser «if you can’t convince them, confuse them». Und dies meist unter dem Deckmantel, dass der Konkurrenz bloss nicht zu viel Informationen Preis gegeben werden darf. Sicher ist, dass die Interessen nicht deckungsgleich sind.

 

2. Was sind IFRS und was wollen sie erreichen?

Die vom International Accounting Standards Board entwickelten IFRS (International Financial Reporting Standards) verfolgen ein klares Ziel; vergleichbare, entscheidungsnützliche und transparente Finanzinformationen bereitzustellen, um die Informationsassymetrie zwischen Geschäftsleitung und Investoren zu reduzieren. Zumindest habe ich das immer gedacht und auch proklamiert. Für mich steht der Bilanzleser im Vordergrund. Ein Jahresabschluss soll doch kein «Finde die zehn Unterschiede»-Spiel oder ein «Catch me if you can» sein. Ein Jahresabschluss sollte einem Bilanzleser ermöglichen, sich in nützlicher Zeit einen Überblick über die Ertragslage, Investitionen, die Finanzierung und die wichtigsten Themen (Risiken und Geschäftsvorfälle) im Unternehmen zu verschaffen. Dabei sollte sich der Bilanzleser (z. Bsp. ein Investor, ein Analyst oder auch Kunden und Lieferanten) darauf verlassen können, dass Standards eingehalten werden und Unternehmen – notabene die Geschäftsleitung und der Verwaltungsrat – transparent über das Geschäftsjahr berichten.

Der Standardsetzer versucht nun seit mehr als 30 Jahren – sei es seiner selbst Willen oder aus reiner Selbstlosigkeit und an das Gute glaubend – das Regelwerk so zu definieren, dass Jahresabschlüsse transparent und vergleichbar werden, um endlich die unsägliche Informationsassymetrie beseitigen zu können. Entsprechend hat er, auf Akzeptanz hoffend, mit dem Rechnungslegungsstandard IFRS 18 «Darstellung und Offenlegung in Abschlüssen» einen erneuten Versuch gestartet, sowohl Transparenz als auch Vergleichbarkeit zu verbessern. Zweifelslos wird ihm das nicht gelingen, aber zumindest klärt der neue Standard gewisse Unzulänglichkeiten vom alten IAS 1 «Darstellung von Abschlüssen» und dürfte damit geliebter werden als der misslungene Leasing Standard IFRS 16.

 

3. Aber was wollen denn eigentlich die Unternehmen

Ein Jahresabschluss ist ein Kommunikationsinstrument. Die Bestätigung, dass der Abschluss nach IFRS erstellt wurde, stellt für sich selbst ein Gütesigel dar («Tick the box»). Das heisst, der Abschluss ist transparent und vergleichbar. Allerdings gibt es kein schwarz und weiss, nicht einen einzigen richtigen Weg. Ein Unternehmen hat dabei immer die Wahl, wie ausführlich, transparent, verständlich und Stakeholder-fokussiert es berichten will, oder ob es sich auf das absolute Minimum der klar definierten Schlüsselkennzahlen beschränken will. Auch muss es entscheiden, welche Geschäftsvorfälle relevant und wesentlich sind und welche eher nicht. Dies ist ein Resultat des prinzipienbasierten Aufbaus von IFRS.

Ich habe in meiner Berufslaufbahn verschiedene Wege gesehen und auch schon verschiedene Wege selbst umgesetzt. Die Länge des Jahresabschlusses sagt nichts über die Qualität aus, sprich Transparenz kann sehr knappgehalten sein, sie kann aber auch mehr Platz und eine detaillierte Erklärung verlangen.

Problematisch wird es dort, wo bewusst relevante und wesentliche Geschäftsvorfälle versteckt werden oder gar nicht offengelegt werden. Und genau hier gibt es zwei extrem wichtige «Gatekeeper», zum einen den CFO und seine Finanzabteilung und zum anderen die Revisionsstelle. Beide tragen einen wichtigen Teil zur Erreichung des Ziels von IFRS bei, nämlich dem Bilanzleser transparente, verständliche und vergleichbare Informationen zur Verfügung zu stellen. Diese beiden Aufgaben sind unverzichtbar und es ist ein grosses Qualitätsmerkmal einer Unternehmung, wenn der CFO in dieser Aufgabe nicht Sparringpartner des CEO ist, sondern das gute Gewissen, der Torwart und schliesslich voll und ganz verantwortlich für den Jahresabschluss.

Und genau dessen müssen wir Finanzer uns bewusst sein, die Begriffe der Wesentlichkeit und Relevanz dürfen nicht ins unendliche gestreckt werden. Und wenn wir uns darauf besinnen, dann wird auch IFRS in der Lage sein, seinen Zweck zu erfüllen, unabhängig von der Länge des Jahresabschlusses.

 

4. Fazit

Transparenz in Jahresabschlüssen ist Kommunikation, sie wird vom Standardsetzer angestrebt und von Revisionsstellen geprüft. Transparenz entsteht aber nur, wenn der CFO und seine Finanzabteilung ihre Aufgabe wahrnehmen und wenn der Verwaltungsrat dafür sorgt, dass genau dies gewährleistet ist. Transparenz ist kein notwendiges Übel, Transparenz ist wertgenerierend, da sie Vertrauen schafft und nachhaltiger Unternehmensführung zu Grunde liegt.

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